Oft habe ich mit Doktor K.S., dem Arzt meines Vertrauens, auch über das Für und Wider des ewigen Lebens diskutiert, wenn der Menschheit doch eigentlich all die wundervollen „Zaubermittel“ aus der Natur zur Verfügung stehen. Manches Mal driftete unsere Diskussion beinahe in die philosophische Ecke ab und dann wurde es wieder Zeit, sich den Fakten zuzuwenden. „Möchtest du dir vorstellen, hundert Jahre mit ein und derselben Person verheiratet zu sein?“, fragte er mich und zwinkerte mir mit einem verschmitzten Lächeln zu. „Das kommt darauf an“, sprudelte es sogleich aus mir heraus. Unter derzeitiger Betrachtung unserer Erbanlagen, könnten wir tatsächlich ein Alter von bis zu 120 Jahren erreichen. Berühmtestes Beispiel dafür ist die Französin Jeanne Calment, die bisher zweifelsfrei der älteste Mensch war. Sie lernte mit 85 Jahren Fechten und fuhr mit 100 noch Fahrrad. Durch ihre Heirat mit einem vermögenden Ladenbesitzer konnte sich die damals Einundzwanzigjährige ein angenehmes Leben machen und ihren Hobbys (Tennis, Schwimmen Klavierspielen, Rollschuhlaufen, Radfahren und der Opernkunst) frönen. 1997 starb Jeanne Calment nachweislich im Alter von 122 Jahren, obwohl sie bis zu ihrem 119 Lebensjahr wie ein alter, qualmender Ofen gepafft hat. Woran sie letztendlich gestorben ist, weiß man nicht. „Wie bei so vielen sehr alten Menschen, wird das ganze System irgendwann einfach instabil“, begründete Doktor K.S. diese Tatsache. „Hier zeigt sich, dass wir nicht ewig leben können. Der Verfall unseres Körpers ist unausweichlich. Aber wir können unsere Gesundheit unterstützen, indem wir uns gesund ernähren und damit den Alterungsprozess hinauszögern.“ Ich möchte Sie, verehrte Leserinnen und Leser, nicht um alles in der Welt bekehren, so zu essen oder zu leben wie mein Mann und ich. Oder Ihnen vorgaukeln, mit der SOS-Methode können Sie über hundert Jahre alt werden. Denn das wir altern, scheint eine unausweichliche Selbstverständlichkeit unseres Daseins zu sein. Was genau der Grund dafür ist, dass wir körperlich und geistig verfallen, hinterfragen heute viele Naturwissenschaftler und Altersforscher intensiv. „Zu den Pionieren dieser Forschung gehört die Molekularbiologin Elizabeth Blackburn“, erzählte mir Doktor K.S. in schwärmenden Ausführungen. Wissenschaftler hatten bereits 1930 nachgewiesen, dass die äußeren Enden der Chromosomen, die sogenannten Telomere, eine überaus schützende Rolle spielen. Was genau dahinter steckte, war zunächst unklar, da die molekulare Struktur der DNA zu dieser Zeit noch nicht einmal bekannt war. Fünfzig Jahre später gelangen Elizabeth Blackburn erste Ergebnisse, wie Telomere aussehen. Seit dieser Zeit erforscht sie die genetischen Mechanismen des Alterns und erhielt 2009 für ihre Forschung über ein Enzym, das den Altersprozess beeinflusst, sogar den Nobelpreis. Sie und ihr späterer Mann waren die ersten Menschen, die überhaupt genetische Informationen lesen konnten. Jahrzehnte ihres Lebens hat sich die großartige Forscherin den im Süßwasser lebenden Wimperntierchen gewidmet, die nicht größer als 0,05 bis maximal zwei Millimeter groß werden. Ihren putzigen Namen erhielten sie, weil ihr Körper fast vollständig mit Wimpern bewachsen ist. Elizabeth Blackburns Faszination für diese Einzeller hat einen beinahe göttlichen Grund: Im Zellkern der Tierchen sitzt ein Elixier der Unsterblichkeit. Sie können sich unendlich oft teilen und so immer wieder ein neues Leben beginnen. Die Frage, wie sie das machen, lag also auf der Hand. Normalerweise verlieren die Träger der Erbinformationen in der Zelle, die sogenannten Chromosomen, bei jeder Teilung ein Stück. Das Problem ist, dass sie irgendwann zu kurz werden und der Organismus kann nicht mehr funktionieren. Und genau das verhindern Wimperntierchen mit einem exzellent gut funktionierenden „Reparatur-Mechanismus“. Ein im Zellkern der Wimperntiere sitzender Stoff kann die Chromosomen-Enden immer wieder neu aufbauen. Den Beweis dafür fanden Elizabeth Blackburn und ihre damalige Doktorandin am Weihnachtstag des Jahres 1984. Sie tauften ihre Entdeckung auf den Namen „Telomerase“. Ein Wunderteilchen. Es hilft dabei, auf dem Chromosom wieder eine Art Schutzkappe zu errichten und ihm verdankt das Wimperntierchen sein unendliches Leben. Die gute Nachricht: auch der Mensch besitzt Telomerase und kann sich regenerieren. Unsere Organe erzeugen quasi die eigenen Nachfolger, und zwar durch Zellteilung. Das Resultat ist die Verjüngung unserer Organe. Leider geht das beim Menschen nicht so beliebig oft, wie bei Wimperntierchen. Seit dieser Entdeckung erlebt die Gerontologie, besser bekannt als Alterswissenschaftlerin, eine wahre Sturmflut an Erkenntnissen über die Zusammenhänge zwischen Altern, Krankheiten und der Länge der Telomere: Sie stellen so etwas wie einen Lebensfaden dar. Je länger er ist, umso länger leben wir – und umgekehrt. Eine wichtige Rolle spielt dabei unsere Zell-Regeneration. Aber auch die Lebensumstände, vor allem chronischer Stress. Denn er führt zur Verkürzung der Telomere, also unseres Lebensfadens. „Das ist auch deutschen Forscher alles längst bekannt“, referierte Doktor K.S., um mich herauszufordern. „Ja, ich weiß“, gab ich demonstrativ zum Besten: Altersforscher am Jenaer Leibniz Institut gehen allerdings davon aus, dass die Lebensspanne eines Menschen genetisch bedingt ist. Sie wissen, dass die Obergrenze deutlich über Hundert liegt. Noch ist allerdings unklar, welches Gen das ist. Höchstwahrscheinlich sind mehrere Gene für das Alter verantwortlich. Und Forscher am Max-Planck-Institut behaupten, ein einziges Gen, das uns extrem länger leben lässt, eine Art „Methusalem-Gen“, gibt es nicht. Man fand heraus, dass sich die maximale Lebenserwartung des Menschen derzeit um rund drei Monate erhöht. „Von denjenigen, die im Jahr 2000 zur Welt gekommen sind, werden einige noch das Jahr 2150 bei klarem Verstand erleben“, schwärmte Doktor K.S. „Dies behauptet jedenfalls Steven Austad, Altersforscher an der Universität in Texas“, fügte er noch schnell hinzu. Zurzeit setzt die Forschung große Hoffnung in ein Gen, das bei Hundertjährigen häufig auftritt, das sogenannte FOXO3A. Bereits in ein paar Jahren, so schätzen die Forscher, könnten die Alters-Gene des Menschen identifiziert sein. Weitere fünf Jahre würden benötigt, um die Funktion eines Gens zu verstehen, nochmals fünf um ein Medikament zu entwickeln und noch einmal fünf, um es auf den Markt zu bringen. Alles in allem also in fünfzehn bis zwanzig Jahren. Das würde bedeuten, alle, die jetzt um die fünfzig sind, könnten noch etwas von dieser Forschung haben. Vermutlich wird es in fünfzehn Jahren, wenn diese Menschen fünfundsechzig Jahre alt sind, ein Medikament geben, das unser Leben deutlich verlängert. Was aber lässt uns schneller altern? Gemeinsam mit Psychologen hat Elizabeth Blackburn Mütter von behinderten Kindern untersucht, die in den USA kaum unterstützt werden und daher unter enormer Belastung stehen. Bei der Studie kam heraus, dass die Telomere der
Herzlich willkommen zu meinem 2. Video-Blog
In diesem Video-Blog werde ich auch Dr. K.S. in seiner „Clinic“ in Kuala Lumpur besuchen. Wenn Sie mögen, begleiten Sie mich doch. Viel Spaß!